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"No rel pasport" und andere Komplikationen

21.09.2013

 

Ich hatte einen sehr aufregenden ersten Tag!

Am Flughafen angekommen, stürmen all die Trekkingbegeisterten Deutschen und nach Meditation suchenden Ökos aus dem Flugzeug und finden sich erst einmal irgendwo auf einem riesigen Betonierten Platz wieder. Wo sind wir?

Ähm, achja, da hinten ist ja der Flughafen. Der einsame Helikopter auf einem grasbewachsenen Stück, deutet jedenfalls darauf hin.

Da wiedererwarten doch kein Bus auftaucht, um uns zum Flughafengebäude zu bringen. Setzen sich die etwa 150 Menschen in Bewegung, während eine restliche kleine Gruppe (die zurückgebliebene Business und First Class) vergeblich darauf wartet, doch noch abgeholt zu werden.

An dem baufälligen Backsteingebäude angekommen. („Ist das wirklich das richtige Gebäude?“ mein Sitzpartner zu seiner Frau “ Es bleibt uns ja nichts anderes übrig oder?"), stürzen sich alle auf die kleine Fensterbank, auf der die Visa Formulare ausliegen.

Während sich die Ersten schon hoffnungsvoll an den Zoll Schalter 5 Meter weiter einreihen. Trotz mindestens 6 Schaltern, ist bisher nur der eine geöffnet. Schließlich, nachdem die Schlange nach einer halben Stunde so stark angewachsen ist, dass sie fast auf den Flugplatz draußen reicht, wird ein weiterer Schalter geöffnet.

Endlich! Nach einer halben Ewigkeit bin ich an der Reihe. Doch was ist das? Der verschlafen dreinblickende Nepali vor mir, muss meinen Pass dreimal in der Hand drehen und von allen Seiten begutachten, bis er endlich feststellt, Ja das ist ein Reisepass!

 

Doch irgendetwas scheint immer noch nicht zu Stimmen.. Das Geld für mein Visum habe ich gerade dem Ersten der 4 Männer in die Hand gedrückt, also wo liegt das Problem? Nachdem mein Pass durch 2 weitere Hände gewandert ist, fragt der Vierte in der Reihe „Wat appen tooo ur passpot?“ Verdutzt frage ich ihn was er meint. „Sis not german passpot!” und “How loon u sai Nepal?”

Ich versichere ihm, dass ich 90 Tag bleiben möchte, dass dies ein Deutscher Pass sei und das ich die Deutsche Staatsbürgerschaft besitze, da wird ihm das ganze zu viel und er reicht den Pass an Mann Nr. 3 zurück. Dieser ist gerade mit ein Paar Russen beschäftigt, die mich böse anstarren, da ich ihnen gerade die Chance genommen habe, endlich aus dieser Sauna zu verschwinden.

„German is red, sis no reel!“ Endlich verstehe ich, wo das Problem liegt. Ich versuche ihnen verständlich zu machen, dass ich aufgrund meines Abhanden gekommenen Reisepasses, einen Vorrübergehenden (grünen) Reisepass habe, mit dem ich auch ins Ausland komme. Der Beweis dafür sind zwei Amtliche, in Vietnam ausgestellte und benutze Visa für Vietnam und Kambodscha. Doch sie glauben mir immer noch nicht und denken, ich möchte illegal nach Nepal einwandern, länger als 90 Tage bleiben (letzteres zumindest stimmt) und rufen einen 6. Mann hinzu. Sie fangen, sehr zum Leidwesen der wartenden Menge, alle lautstark an, über meinen Pass zu debattieren. Schließlich, nach 10 Minuten kommt eine Frau im Sari angerannt, reist den Männern meinen Pass aus der Hand und verschwindet irgendwo in einen Gang. Die Männer, die das anscheinen gar nicht war genommen haben, diskutieren eifrig weiter. Ich versuche auf mich aufmerksam zu machen und einer der Männer muss meinen panischen Gesichtsausdruck offenbar bemerkt haben. „Wat her! We do work! How long u stai Nepal?” Erneut versichere ich ihnen, dass ich nur 90 Tage bleiben, sie schauen mich skeptisch an.

 

Endlich, nach einer halben Stunde kehrt eine andere Frau mit meinem Pass wieder zurück und nickt den Männern zu, welche mit mürrischem Gesichtsausdruck mein Visum ausfüllen.

 

Als ich aus der Bruchbude heraus in die drückende Hitze trete, erwartet mich bereits ein nettes Empfangskomitee, das darüber spekuliert ob ich, da ich so lange nicht aufgetaucht bin, nicht doch Patricia bin und an dem Schild mit Julia einfach vorbeigelaufen bin...

Aber nein zum Glück war ja nur die Nepalesische Bürokratie Schuld. Diese Antwort wird sofort mit einem Kopfnicken bestätigt und mir werden die Koffer abgenommen. Die Volontärinnen suchen uns ein Taxi und wir fädeln mit unserem Taxi in das Chaos auf der Straße, das hier Verkehr genannt wird ein.

Die Drei weihen mich in die wichtigsten Dinge ein, während ich mich an Linksverkehr und  „Straße“ gewöhnen muss. Sie erzählen mir von den Problemen und versichern mir, dass zu Hause eine Überraschung auf mich wartet. Und tatsächlich...

 

Hier gibt es seit 3 Tagen weder Strom noch Wasser im Haus. Das kann bei 46 Kindern, 5 Praktikanten und 4 Hausbesitzern und einer Angestellten (plus Sohn) echt ein Problem werden... Einen Tag nicht auf die Toilette gehen, kann man ja noch verkraften, aber gleich so lange?

Also das Badezimmer stinkt 100 Meter gegen den Wind und die „Pissrinne“ verläuft direkt unter unserem Fenster, weshalb wir ab und zu einen ‚leichten’ Gestank im Zimmer haben.

Außerdem ist Samstags immer Waschtag bei den Kindern und man merkt, es dass sie seit einer Woche nicht mehr gewaschen wurden. Da kann man keinen Tag länger warten, denn nicht nur das Bad riecht einige Meter gegen den Wind.

 

Weil wir alle dringend auf die Toilette müssen, fahren wir in das Touristenviertel, nach Thamel.

Dort begegnen wir gleich einem Bekannten der Anderen und wir gehen alle zusammen in ein Nepalesisches Kaffe.

Anschließend suchen wir in eine Wechselstube auf, wo ich meine Dollar erst einmal in Rupien wechseln kann. Als das alles erledigt ist, machen wir uns über ein Europäisches Kaffee her, mit vorzüglichem Kaffee und leckerem Gebäck.

Die Stadt ist atemberaubend. Man weiß gar nicht wo man hinschauen soll. Überall sind kleine Gässchen und alles ist bunt, doch auch völlig verdreckt.

Die anderen sind etwas mit der Verkehrssituation immer noch etwas überfordert, doch ich gehe nach 5 wöchigem Training in Vietnam einfach, ohne mich umzuschauen, zielsicher über die Straße.

 

Wieder im Waisenhaus angekommen gibt es... immer noch keinen Strom!

Wir werden jede Stunde aufs neue vertröstet, „Jaja, um 13.00 Uhr funktioniert es wieder“. Aus 13.00 Uhr wurde 16.00 aus 16.00, 19.00 und als es stock dunkel ist, geben wir die Hoffnung ganz auf.  Gegessen wird schließlich bei Kerzenschein.

Also machte ich mich, mit 3 anderen auf den Weg in das Internetcaffe die Straße runter, um festzustellen das dieses geschlossen hat. Aber es soll ja noch ein Zweites geben. Eine halbe Stunde durch die Dunkelheit irrend, finden wir schließlich auch das. Doch kaum, dass wir uns setzten, gehen auch hier alle Lichter aus. Na super und jetzt? Doch der Ladenbesitzer versichert uns, dass er einen Generator habe und 5 Minuten später funktioniert alles wieder. Doch das Internet ist sehr langsam.. Nachdem ich gefühlt eine viertel Stunde geschrieben habe und eine dreiviertel Stunde auf irgendeine Reaktion warte, müssen wir auch schon wieder gehen, da der Besitzer schließen möchte. So geht mein erster Tag zu Ende.

 

Doch das fehlende Licht hat auch seine gute Seite. Heute morgen waren die Kinder statt üblicherweise um 4.00 Uhr morgens erst um 6.00 Uhr wach, da sie in der Dunkelheit ja noch nichts machen konnten.

Wir freuten uns und schliefen aus.

 

Dann auf einmal die Erlösung und der Jubel ist groß! Es gibt wieder Strom. Und mit dem Strom kommt auch das Wasser. Doch was ist das? Eine Stunde später, funktioniert auch der Strom wieder nicht... Aber wir haben ja noch das Wasser!!

Die Kinder Frühstücken und gehen in die Schule und wir Praktikanten stellen uns erst mal in der Warteschlange vor dem Badezimmer an um unter die erlösende Dusche zu gehen.

Und hoffentlich gibt es dann mal Internet, damit ich das ganze auch mal Online stellen kann..

 

 

24.9.13 18:44
 


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